Craftsphere
Die Mittel zum richtigen Ausdruck
Ich glaube fest daran, dass die wahre Kraft der Menschen in ihrer kollektiven Energie liegt.
Wenn wir etwas gemeinsam angehen, können wir im wahrsten Sinne des Wortes
Berge versetzen. (Bill Viola 2004)

Jede Künstlerin und jeder Künstler kennt den Prozess sich in ein Medium oder eine Technik zu
vertiefen um zum gewünschten Ausdruck zu kommen. Auf diesem Weg wird die Schwelle zum
Handwerk regelmäßig überschritten und das Experiment oder manchmal auch das Spiel erweitert
herkömmliche Techniken in ungeahnte Bereiche. So scheint das Repertoire der Gebrauchs-Medien
der Kunst und insbesondere der modernen Kunst schier ins Unendliche zu wachsen.
Was bedeutet Handwerk für die Bildende Kunst?

Das Projekt CRAFTSPHERE will mit einfachen dokumentarischen Mitteln diese stetig
wachsende Zahl an Techniken dokumentieren und sammeln, um sie wiederum Künstlerinnen
und Künstlern für ihre Arbeit zur Verfügung stellen. Dabei geht es nicht um eine reine Aufzählung
möglicher Techniken, sondern um eine Einführung bzw. um weiterführende fundierte Kenntnisse
zu den Techniken im Sinne eines künstlerischen Gebrauchs.
Was macht das Wesen der Kunst so lebendig?

Mit CRAFTSPHERE geht es nicht um eine Entzauberung des Schöpferischen, sondern um
ein Sammeln der handwerklichen Zutaten der Kunst. Vielmehr soll dem Handwerk in der
Ausführung von künstlerischen Arbeiten mehr Bedeutung beigemessen und dieses Wissen
weitergegeben werden. Die Idee einer übersichtlich konzentrisch - sphärisch wachsenden
und strukturierten Datenbank mit interaktiven Gesichtspunkten soll dem vernachlässigten
Themenkreis des Handwerks in der Bildenden Kunst neue Würze verleihen.
Wie funktioniert Ordnung und Sammlung?

Der Ansatz des Sammelns liegt bei diesem Projekt zwischen der alphabetisch verbundenen
Gesamtheit der Informationsgegenstände und dem Ansatz mit CRAFTSPHERE auch eine
selbständige künstlerische Sozial - Arbeit zu schaffen.
So wird sich, da jeder Beginn eines enzyklopädischen Eifers nur subjektiv geprägt sein kann,
die Entwicklung dieses Projektes an der Ordnung jener von Franz Kuhn überlieferten gewissen
chinesischen Enzyklopädie ´Himmlischer Warenschatz wohltätiger Erkenntnisse´ orientieren.
Darin wird beispielsweise eine bemerkenswerte Kategorisierung der Tiere wie folgt unterteilt; in jene
„a) dem Kaiser gehörige, b) einbalsamierte, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere,
g) streunende Hunde, h) in diese Einteilung aufgenommene, i) die sich wie toll gebärden, j) unzählbare,
k) mit feinstem Kamelhaarpinsel gezeichnete, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen
haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen.“
[nach: Borges, Jorge Luis: Die analytische Sprache von John Wilkins, in:
Eine neue Widerlegung der Zeit und 66 andere Essays, Frankfurt 2003]
Diese exzentrische Ordnung mag einen Blick auf die Grenzen unseres Denkensfreigeben, doch
beschreibt sie gleichzeitig den nötigen Freiraum, den die Kategorien des künstlerischen Werkens
und Wirkens benötigen. Eine so enge Koexistenz scheinbar fremder Begriffe spiegelt die
Arbeitsmethodik des Kunstschaffens sehr konkret wieder und zeigt, dass eine Sammlung
handwerklicher Aspekte der bildenden Kunst einer eigenen Ordnung bedarf und vorerst keinen
Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.
Vielmehr soll das Projekt langfristig angelegt werden um wachsen zu können.
Wie ist der Ausblick?

CRAFTSPHERE ist stetige Arbeit und Sammlung.
CRAFTSPHERE wächst mit unseren Projekten und Aufgaben.
CRAFTSPHERE schließt die Lücke zwischen Ausbildung und grundlegenden
Ansprüchen in der künstlerischen Praxis. Der Fokus liegt dabei auf soliden
handwerklichen und technischen Informationen.
CRAFTSPHERE kann darüber hinaus eine Basis für weiterführende
Ausbildungsmöglichkeiten sein, wie Postgraduates oder Aufbaukurse für bildende
Künstler Innen. Mit dem Standort GRAZ wäre damit auch die Chance verbunden, eine
höchst spezialisierte Einrichtung zu schaffen, die es möglich macht, eine
internationale Nachfrage zu befriedigen.
Text: Barbara Sommerer 2010
